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* Rosso:

 

Zum Tod des weitgehend unbehelligt von der Justiz im Alter von 91 Jahren im Bett gestorbenen, rechtsradikalen chilenischen Ex-Diktators Augusto Pinochet, der mit aktiver Unterstützung des US-Imperialismus (z.B. Herrn Kissinger) während seiner Junta-Herrschaft vom 11.September 1973 bis März 1990 mindestens 3.000 Regimegegner umbringen und Zehntausende Weitere inhaftieren, foltern, verkrüppeln und verschwinden ließ, verbreitete die Bewegung der Revolutionären Linken (MIR-Chile), im Widerstand genau wie heute neben der chilenischen KP die wichtigste Organisation der radikalen Linken, am 10. Dezember 2006 die folgende Erklärung, die auf Indymedia Chile und auf ihrer eigenen Website (www.mir-chile.cl) veröffentlicht wurde.

 

Bemerkenswert übrigens, was die sicherlich nicht als “linksradikal” verdächtige “Frankfurter Allgemeine Zeitung” am 12.12.2006 über das Ende der Pinochet-Herrschaft und die Post-Pinochet-Ära feststellt:

“Pinochets Anhänger entstammten vorwiegend jenen Kreisen, die von seiner Wirtschaftpolitik profitierten und es zu Wohlstand brachten. Seinen Rückhalt in der Bevölkerung hatte der Diktator schließlich jedoch überschätzt, als er sich 1988 einer Volksabstimmung stellte und dabei lediglich 43 Prozent der Stimmen erhielt. Im März 1990 wurde Patricio Aylwin, der Kandidat des breiten demokratischen Parteienbündnisses ‚Concertacion‘, neuer Staatspräsident.

Vor der Amtsübergabe sorgte Pinochet für Kontinuität in seinem Sinne. Er besetzte noch schnell hohe Posten im Militär und beim Obersten Gerichtshof mit Gewährsleuten, blieb selbst bis März 1998 Oberbefehlshaber des Heeres und spielte sich zu einer Art Vormund für die wiedererwachende chilenische Demokratie auf. Zahllose ‚autoritäre Enklaven‘ in der aus seiner Diktatur stammenden Verfassung, insbesondere ein demokratischen Prinzipien hohnsprechendes Wahlsystem, machten den Übergang zu einer vollgültigen Demokratie zu einem quälend langwierigen Prozeß, der noch immer nicht abgeschlossen ist.”

 

Die vor kurzem (im Rahmen des viel bejubelten “Linksrucks in Laterinamerika) gewählte “sozialistische” Präsidentin Bachelet hatte, obwohl ihr Vater von Pinochets “Verhörspezialisten” zu Tode gefoltert und sie selbst mit ihrer Mutter ins Exil gezwungen wurde, zu 17 Jahren Junta-Herrschaft nur jämmerliches Pfaffen-Geseier zu bieten. Originalton: “Wie schrecklich ist es für eine Gesellschaft, wenn etwas so Elementares wie die Fähigkeit, miteinander zu kommunizieren und einander zu verstehen, verloren geht?” Pinochets blutige und neoliberale Militärdiktatur ist für sie “eine schmerzvolle, dramatische und komplexe Epoche, die unser Land durchmachte. Ich bewahre die Erinnerung, ich glaube an die Wahrheit und strebe nach Gerechtigkeit.”“Das war alles, was sie zum Tod des früheren Generals zu sagen hatte, dessen Schergen ihren Vater, einen Militär, so schwer mißhandelt hatten, dass er an den Folgen der Folter starb”, bemerkt selbst die FAZ (vom 13.12.2006) etwas verwundert.

 

Aber auch viele Mitglieder und Funktionäre der in der berühmt-berüchtigten “Neuen Mitte” angekommenen Sozialistischen Partei haben mittlerweile von Pinochets neoliberalem System profitiert. Und über die Erbärmlichkeit des sozialdemokratischen und linksliberalen Kleinbürgertums beim Kampf gegen Konterrevolutionen hat bereits Marx im “18.Brumaire des Louis Bonaparte” das Entscheidende gesagt. Dessen Lektüre bleibt hochaktuell. Genau wie die folgende Feststellung der FAZ vom 13.12.2006, die zeigt dass die Politik des Einlullens ihre Grenzen hat: “Die Spaltung der chilenischen Gesellschaft, die auch eineinhalb Jahrzehnte nach der Rückkehr zur Demokratie nicht überwunden ist, setzt sich bis in die jüngeren Generationen fort.”

 

 

ÖFFENTLICHE ERKLÄRUNG

 

“Den Tod hat er von Rechts wegen verdient”

 

Zum Tod des Diktators Pinochet erklärt der MIR Chile:

 

1.)   Die Entscheidung der Regierung der Concertacion <= Konzertierte Aktion aus der “Sozialistischen” Partei der amtierenden Präsidentin Bachelet, Linksliberalen und den Christdemokraten>, dem Diktator die Ehre eines Oberbefehlshabers der Armee zu geben, verdeutlicht auf der einen Seite den fehlenden politischen Willen der Regierungen der Concertacion in unserem Land für volle Gerechtigkeit zu sorgen und bestätigt andererseits den pro-imperialistischen Charakter der chilenischen Armee. Für den Aufbau der Demokratie ist die Neugründung der Armee, die Demokratisierung und Verstaatlichung der Escuela Militar (Militärakademie), die Beseitigung ihres privaten und elitären Charakters, den sie bis heute bewahrt, und ihre Umwandlung in eine öffentliche Einrichtung notwendig.

 

2.)    Die Streitkräfte werden weiterhin durch die nordamerikanische Doktrin der so genannten Nationalen Sicherheit bestimmt, die der von Bernardo O’Higgins vertretenen Doktrin der Nationalen Befreiung absolut antagonistisch gegenübersteht. Einer Doktrin, von der die Geschichtswissenschaften eindeutig zeigen, dass sie mit der Monroe-Ideologie und der geopolitischen Abhängigkeit vom Imperialismus, mit der der Diktator Pinochet übereinstimmte, nicht das Geringste zu tun hat. Es ist ein Problem, dass der Pinochetismus mit Hilfe der Presse versucht sie zu verdrehen und die beiden Auffassungen miteinander zu vermengen und damit das Ansehen des Befreiers Bernardo O’Higgins zu besudeln, der im Exil starb und das, auf Unabhängigkeit und Sozialreformen ausgerichtete, lautarianische Gedankengut verteidigte.

 

3.)    Der ruhige Tod des Diktators Pinochet zeigt die Unfähigkeit und den fehlenden Willen der Gerichte im Hinblick auf die systematischen Verletzungen der Menschenrechte, die insbesondere in der Phase des Diktators stattfanden und bis heute andauern, ihre Arbeit zu tun.

 

4.)    Der Kampf geht weiter, weil die Politische Verfassung und das Wirtschaftssystem des Diktators weiterhin das Leben des Landes bestimmen. Der Kampf geht weiter, weil wir es sein werden, die für Gerechtigkeit sorgen, wenn wir die gegenwärtige Politische Verfassung und das transnationale Wirtschaftssystem überwinden, die vom Diktator eingeführt und durch die Concertacion perfektioniert wurden.

 

Inmitten der Ohnmacht / des Unvermögens des Volkes, dem es nicht gelang den Diktator für seine Verbrechen, Morde und Diebstähle bezahlen zu lassen. Der MIR ruft dazu auf die sozialen Demonstrationen für ein würdevolles Leben für Alle und gegen die transnationalen Konzerne und jene, die sie verteidigen, fortzusetzen.

 

Die einzige Art dafür zu sorgen, dass Pinochet nicht als eine Art “guter General” in die Geschichte eingeht, ist die Politische Verfassung und das ausbeuterische und korrupte Wirtschaftssystem zu Fall zu bringen, das der Diktator durchgesetzt hat und das die <”mitte-linken” Parteien der> Concertacion konsolidieren.

 

Für ein würdevolles Leben für Alle!

Der Kampf geht weiter!

Nur der Kampf wird uns befreien!

 

Politische Kommission des

Movimiento de Izquierda Revolucionaria

MIR Chile

 

10. Dezember 2006

 

 

 

Vorbemerkung, Übersetzung aus dem Spanischen und Einfügungen in eckigen Klammern:   * Rosso

 

 

Der Name * Rosso steht für ein Mitglied der Antifa-AG der Uni Hannover und des Gewerkschaftsforums Hannover, das bereits in der Vergangenheit den Großteil der Übersetzungsarbeit beider Gruppen geleistet hat. Nachdem sich die Antifa Uni nach mehr als 17jährigem Bestehen Ende Oktober 2006 aufgelöst hat (siehe: http://antifa.unihannover.tripod.com/Aktuell.html) werden die explizit politischen Übersetzungen von nun an in individueller Verantwortung unter diesem Logo veröffentlicht. Die Übersetzungen der gewerkschaftsbezogenen Texte erscheinen ab sofort nur noch im Namen und in der Verantwortung des Gewerkschaftsforums.

 

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