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* Rosso:

 

Darüber, dass es seit dem Eintritt von Rifondazione Comunista (PRC) in Prodis Mitte-Links-Regierung nach den gewonnenen Wahlen vom April 2006 zu drei Linksabspaltungen von der größten Partei der italienischen “radikalen Linken” kam (die bei den Wahlen zur Abgeordnetenkammer  5,8 % und bei denen zum Senat 7,4 % der Stimmen erhielt), wurde hier bereits berichtet. Über den Fortgang der Bemühungen des linkstrotzkistischen Progetto ComunistaRifondare l’Opposizione dei Lavoratori (Kommunistisches Projekt – Die Arbeiteropposition neu begründen – PC-ROL; www.progettocomunista.org) eine neue kommunistische (Kader-)Partei aufzubauen, informiert der folgende Artikel ihres führenden Kopfes Francesco Ricci aus der zweimonatlich erscheinenden Zeitung Progetto Comunista Nr.5 vom Oktober 2006.

 

Auf dem Weg zum Gründungsprozess einer neuen kommunistischen Partei

 

Der Herbst von PC ROL

 

Francesco Ricci

 

Das wird nicht irgendein Herbst. Er wird es nicht für die Arbeiter sein, die sich gegen die Angriffe der Regierung verteidigen müssen, die andere eine “befreundete” Regierung nennen, und es wird auch für diejenigen nicht sein, die wie PC ROL – auch ausgehend von diesem Kampf – daran arbeiten eine neue revolutionäre und kommunistische Partei aufzubauen.

 

Wir haben den Gründungsprozess der neuen Partei am 22.April mit einer überfüllten nationalen Versammlung in Rom begonnen, auf der wir die Abspaltung von Dutzenden Aktivisten und Leitungsmitgliedern von Bertinottis in der Regierung gelandeter Rifondazione verkündeten.

 

Auch wenn seitdem wenig Zeit vergangen ist, um eine Bilanz zu ziehen, können wir sagen, dass wir in diesen Monaten der Existenz von PC ROL – um eine Metapher aus der Automobilwelt zu verwenden – das Auto für die Reise vorbereitet, es in die richtige Richtung gesteuert und die Scheinwerfer angemacht haben. Nun geht es darum die Reise zu beginnen.

 

Der größte Teil ist also noch zu erledigen, aber zumindest wissen wir, dass wir die richtige Fahrtrichtung eingeschlagen haben und (um es mit der Metapher zu übertreiben und ihr damit den Garaus zu machen) dass wir über einen vollen Tank, genug Öl und kontrollierte Reifen verfügen.

 

Wir haben die lokalen Kollektive von PC ROL gestärkt und in verschiedenen Städten neue Kollektive ins Leben gerufen. Wir haben uns eine gewisse Sichtbarkeit verschafft, insbesondere in der lokalen und regionalen Presse. (Während die nationale kein Interesse hat, uns Raum zu geben und es vorzieht einen bekannteren Namen, nämlich den von Ferrando zu benutzen – auch wenn er der Vertreter einer nicht existenten Partei ist – um die volle Zuverlässigkeit des PRC, der sich von seinem extremistischen Teil befreit hat, zu belegen.)

 

Regelmäßig einmal im Monat tagte das kollegiale Leitungsgremium (das Zentralkomitee) und es fanden bereits zwei Versammlungen unseres “kleinen Parlaments” (des Nationalrates) statt – Gremien, die überwiegend aus Arbeitern und aus sehr jungen Genossen bestehen.

 

Wir haben fünf Nummern dieser Zeitung herausgebracht und dabei ihre politische und graphische Qualität beständig verbessert, Artikel von Genossen veröffentlicht, die in den Kämpfen engagiert sind sowie Artikel zur theoretischen Vertiefung und zur Klärung der Linie. Dabei haben wir Dutzende neuer Verbreiter der Zeitung gewonnen, Hunderte von Abonnenten und Ausgabe für Ausgabe ständig steigende Verkaufszahlen zu verzeichnen. Wir haben verschiedene lokale Seminare zur Schulung der Aktivisten und ein landesweites Seminar (im Juli in Bellaria) zu programmatischen Themen, zur Partei und der Gewerkschaftsarbeit organisiert, an dem rund 80 Genossen und Leitungsmitglieder bedeutender internationaler Organisationen teilnahmen (die Internationale Arbeiterliga – IAL – und die Trotzkistische Fraktion – FT), mit denen wir über die Notwendigkeit des Aufbaus einer revolutionären Internationale diskutieren.

 

Es geht darum die tatsächliche Reise zu beginnen. In dem Bewusstsein, dass – wie wir am 22.April sagten – die Schwierigkeiten gigantisch sind, dass wir aber auch einige Faktoren auf unserer Seite haben:

 

-         den Klassencharakter der Regierung Prodi, die sich mit der Umsetzung ihrer Politik (über die Antonio Marceca im Leitartikel dieser Nummer spricht) als das erweist, was sie für eine immer größere Anzahl von politischen und gewerkschaftlichen Aktivisten ist;

-         einen politischen Spielraum, der durch das Sichtbarwerden der tatsächlichen Intentionen der aufs Regieren versessenen Führungsgruppe des PRC frei geworden ist

-         und durch die Unfähigkeit ihrer <linken> Minderheiten eine wirkliche Alternative dazu zu vertreten.

-         Vor allem haben wir (im Unterschied zu Ferrandos imaginärem PCL) den Willen das Erbe des revolutionären Marxismus, d.h. des Trotzkismus, zu nutzen, um eine Avantgardepartei aufzubauen, die auf einem revolutionären Programm beruht (und nicht eine Partei von eingeschriebenen Mitgliedern, die um eine allgemein gehaltene Plattform gruppiert ist, die ihre Verkörperung im Leader findet).

 

Wie sollen wir uns also in diesem Herbst verhalten, um den Aufbau jener Organisation voranzutreiben, die sowohl für die unmittelbaren Kämpfe als auch für die Bewahrung einer wirklich alternativen Perspektive das unverzichtbare Instrument bildet?

 

Im Leitartikel und in anderen Artikeln wird der Vorschlag der Aktionseinheit im Kampf gegen die Regierung präsentiert und argumentativ unterfüttert, den wir allen Kräften machen, die die Interessen der Werktätigen vertreten wollen. In ein Kampflager, von dem wir hoffen, dass es so breit wie möglich werden kann, werden wir als PC ROL unsere Positionen einbringen und die Notwendigkeit von nicht nur defensiven Tageslosungen vertreten, die die unmittelbaren Forderungen des Kampfes mit einer revolutionären Lösung verbinden, der auf der klassenmäßigen Unabhängigkeit der Arbeiterbewegung von der Bourgeoisie und von ihren Regierungen basiert. Um dies zu tun werden wir auf jeder Demonstration, innerhalb und außerhalb der Büros und Arbeitsstätten sowie in der Gewerkschaftsarbeit unserer Militanten (im Rete 28 Aprile der CGIL, aber auch in den Basisgewerkschaften <CUB, COBAS, SULT, ORSA etc>) eine massive Propagandakampagne beginnen.

 

Diese politische Arbeit wird mit der Präsentation der politischen, programmatischen und organisatorischen Grundlagen verknüpft und damit mit der Einbeziehung neuer Militanter in die Gründungsphase.

 

Ab Anfang Oktober wird das vom Nationalrat ausgearbeitete, in Thesen formulierte Manifest und der Entwurf des Statuts verfügbar sein.

 

Es ist unsere Absicht bis Mitte November in ganz Italien öffentliche Versammlungen durchzuführen, um diese Thesen zu präsentieren und diejenigen, die die grundlegenden Achsen teilen, aufzufordern sich an der Kongressdiskussion zu beteiligen. Von Mitte November bis Ende Dezember werden wir in jeder Stadt Kongresse zur Wahl der Delegierten abhalten und Anfang Januar kommenden Jahres werden wir den Gründungskongress einer Partei veranstalten, die, im Unterschied zu anderen, noch keinen Namen hat (über den werden wir auf dem Kongress entscheiden). In der aber (auch hier einen bedeutenden Unterschied zu anderen, scheinbar ähnlichen Projekten markierend) Hunderte von Militanten, von Jugendlichen und Arbeitern engagiert sind.

 

Die x’te Partei, gewiss. Aber anders als alle anderen, weil nicht damit beschäftigt – eine Sache, die absolut selten ist – Privilegien und Pöstchen zu verteilen (und auch nicht das Ego irgendeines betagten Anführers zu befriedigen), sondern vielmehr damit beschäftigt ist den Kampf um die Arbeitermacht, um eine neue revolutionäre Perspektive zu lancieren.

 

Die Reise beginnt. Die Aufforderung mitzumachen, ist an alle kommunistischen Militanten gerichtet, die weder an den Kapitalismus als Horizont der Menschheit noch an das “Modell Marchionne <Anm.1> als Horizont einer kommunistischen Partei glauben.

 

 

Anmerkung 1:

Anspielung auf die strategische Konzeption von Fausto Bertinotti (einem ehemaligen Leader der Gewerkschaftslinken in der CGIL, langjährigen Generalsekretär von Rifondazione Comunista, der Ende April 2006 zum Präsidenten der italienischen Abgeordnetenkammer und damit ins dritthöchste Staatsamt der G8-Macht Italien aufstieg, aber nach wie vor die graue Eminenz von Rifondazione ist). Dieser hatte kurz zuvor in einem Interview für die FIAT-eigene Tageszeitung „La Stampa erklärt, dass sich die Linke mit der “produktiven Fraktion der Bourgeoisie”, wie sie durch FIAT-Vorstandschef Marchionne repräsentiert werde, verbünden müsse, um “die Politik neu begründen” und eine “gesellschaftliche Alternative” durchsetzen zu können.

 

Fast überflüssig zu sagen, dass die heutige CGIL-Linke (z.B das Rete 28 Aprile) und insbesondere die wichtigste und traditionell kämpferische italienische Metallarbeitergewerkschaft FIOM ein sehr viel kritischeres Urteil über Marchionne, den FIAT-Aufsichtsratsvorsitzenden und Industriellenverbandschef Luca Cordero di Montezemolo & Konsorten fällen.

 

 

Vorbemerkung, Übersetzung und Einfügungen in eckigen Klammern:   * Rosso

 

Der Name * Rosso steht für ein Mitglied der Antifa-AG der Uni Hannover und des Gewerkschaftsforums Hannover, das bereits in der Vergangenheit den Großteil der Übersetzungsarbeit beider Gruppen geleistet hat. Nachdem sich die Antifa Uni nach mehr als 17jährigem Bestehen Ende Oktober 2006 aufgelöst hat (siehe: http://antifa.unihannover.tripod.com/Aktuell.html) werden die explizit politischen Übersetzungen von nun an in individueller Verantwortung unter diesem Logo veröffentlicht. Die Übersetzungen der gewerkschaftsbezogenen Texte erscheinen ab sofort nur noch im Namen und in der Verantwortung des Gewerkschaftsforums.

 

Hinweise, Kritik, Lob oder Anfragen wegen Referaten zur politischen und sozialen Entwicklung in Italien (oder in Palästina) ab jetzt mit einer Mail an: negroamaro@mymail.ch  oder  gewerkschaftsforum-H@web.de