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In dieser Zeit, in der sich die Uhren immer schneller rückwärts zu drehen scheinen, scheint es auch immer schwerer zu werden überhaupt noch Politik machen zu wollen. Dabei aber auch noch soziale Entwicklungen voranzutreiben und die Möglichkeit revolutionärer Umtriebe nicht aus dem Blick zu verlieren, scheint heute für viele Linke geradezu unmöglich zu sein. Genau das aber will die Antifa AG der Uni Hannover.


Und wie will das so eine kleine Gruppe erreichen und warum setzt sie sich so hehre Ziele gerade in einer Zeit, in der das Backen kleiner Brötchen jeden Tag angesagter wird?


Nun, um diese Frage einigermaßen erschöpfend beantworten zu können, müssen wir weit in der Geschichte zurückgehen: Als sich die Antifa AG der Uni nämlich in den späten 8Oer Jahren gründete, unterschied sie sich nicht wesentlich von vielen der bis heute verblichenen Antifa-Gruppen. Die Übergriffe und Aufmärsche organisierter Neonazis waren im Laufe der 8Oer Jahre immer häufiger geworden und rechtsextreme Parteien wie Republikaner und DVU feierten damals ihre ersten spektakulären Wahlerfolge. Die Gründung einer Antifa-AG an der Uni Hannover stand mit diesen Ereignissen in direktem Zusammenhang und hatte das vorrangige Ziel, dieser reaktionären Entwicklung durch gezielte Angriffe und Kampagnen gegen eben diese Parteien und Organisationen zu begegnen. Und das tat sie dann auch nach besten Kräften.


Nach einer kurzen Flaute der Rechtsradikalen, die aber jedenfalls mehr im deutschen Wiedervereinigungstaumel als in den Erfolgen antifaschistischer Gegenwehr begründet lag, meldeten sie sich Anfang der 90er Jahre mit spektakulären Wahlerfolgen, Aufmärschen und massenhaften rassistischen Mordanschlägen zurück. Während sich nun fast die ganze Nation zu Antifaschisten erklärte, die Bildzeitung Lichterketten veranstaltete und deutsche Regierungsvertreter moralisierende Reden schwangen neofaschistische Organisationen verboten und Asylgesetze abgeschafft wurden, begannen wir uns in der Antifa AG der Uni Gedanken darüber zu machen, ob es tatsächlich ausreicht, Wählerlnnen rechtsextremer Parteien, und zunehmende Gewaltbereitschaft gegen Ausländerlnnen als schlichtweg böse anzusehen und entsprechend moralisierend zu bekämpfen. Neben der sich bei so einer Herangehensweise zwangsläufig stellenden Frage, wieso es denn auf einmal so viele böse Menschen gibt, war es mehr als auffällig, daß mit der Zunahme rechtsradikaler Wahlerfolge und rassistischer Übergriffe auch Arbeitslosigkeit und soziale Ausgrenzungsprozesse rapide zunahmen. Im Zuge langanhaltender inhaltlicher Diskussionen über den Begriff des-Faschismus und historischer wie aktueller Entwicklungen veränderten wir daraufhin unsere politische Herangehensweise derart, daß wir rechtsradikale Tendenzen nunmehr als ein Resultat sozialer und 6konomischer Entwicklungen begreifen.


In einer Zeit, in der ökonomische Krise und verschärfter Umverteilungskurs immer mehr Menschen in Arbeitslosigkeit und desolate soziale Absicherung treiben, stellen rechtsradikale Tendenzen nämlich nichts anderes als eine Reaktion auf deren zunehmende Abstiegsängste dar. Weder die Gewerkschaften noch irgendeine der etablierten Parteien hat in dieser Situation eine Lösung fur diese Probleme parat, die entscheidend von allgemeinen politischen Primat des Sozialabbaus und der Beschneidung von Arbeitsrechten abweicht. Da es in dieser Situation aber auch keine schlagkräftige linke Bewegung gibt, die sich diesem politischen Kurs praktisch und programmatisch entgegenstellen könnte, ist es relativ einleuchtend, dass immer mehr Menschen in dieser Situation anfällig für rechte Parolen und Scheinlösungen werden. Wir begreifen Rechtsradikalismus daher als ein Phänomen kapitalistischer Krisenentwicklung und sehen unsere Aufgabe darin, die Ursachen und Verursacher von Arbeitslosigkeit und Sozialabbau beim Namen zu nennen und bei der Entwicklung und Organisation einer breiten sozialen Gegenbewegung mitzuwirken. Dabei verstehen wir uns als Teil einer antagonistischen Linken, die ökonomische Krise und soziale Verelendung als innerhalb des Kapitalismus unabwendbar begreift. Dennoch sehen wir gerade im Rahmen des bundesdeutschen Kapitalismus noch ausreichend Spielraum, der einen erfolgreichen Abwehrkampf gegen Lohnsenkungen, Sozialabbau, Studiengebühren,BAFöG-Streichungen etc. ermöglicht.


Praktisch bedeutet diese politische Ausrichtung für uns, uns in soziale Kämpfe einzuschalten, legitime Forderungen zu unterstützen, auf ihrer radikalen Durchsetzung entgegen offensichtlichen Beschwichtigungen von Gewerkschaften, Sozis und Grünen zu beharren und inhaltlich über sie hinauszuweisen. Wir bekennen uns offen zu unserem Ziel einer sozialistischen Gesellschaft, demonstrieren aber gleichzeitig, dafür wir uns konsequent mit aktuellen sozialen Kämpfen solidarisieren.


Das bedeutet allerdings nicht, dass wir es vollkommen aufgegeben haben, rechtsradikale Parteien und organisierte Neonazis direkt anzugreifen. Zwar haben wir die Zeit nach den Verboten neofaschistischer Organisationen und dem deutlichen Rückgang rechtsradikaler Wahlergebnisse dazu genutzt, ins inhaltlich und praktisch sehr weitgehend mit sozialen Auseinandersetzungen in der BRD und anderen europäischen Ländern zu beschäftigen.


Praktisch umgesetzt haben wir diese Vorstellungen in den letzten Jahren u.a.durch Vorträge über die Parteiprogramme der Republikanern an Hannoveraner Berufsschulen, Informationsveranstaltungen über Abwehrmög1ichkeiten, von Sozialkürzungen in Stadtteilen mit hohem Arbeitslosen- und Republikanerwähleranteil, Mitarbeit im Bündnis gegen Sozialabbau inhaltliche und praktische Vorbereitung der Großdemonstrationen gegen das Sparpaket der Kohl-Regierung am 6.6.und 21. 10. 1996 in Hannover, Organisation eines AntiFa-Jugendcafes, Durchführung von Informationsveranstaltungen zu den sozialen Auseinadersetzungen in Italien (Sturz der rechten Berlusconi-Regierung) den Wahlergebnissen der rechten FPÖ in Österreich und den Kämpfen gegen die Sparmaßnahmen des Senats in Berlin undund und ...


Parallel dazu setzen wir uns aber auch inhaltlich mit aktuellen und historischen Entwicklungen in der BRD und anderen europäischen Ländern, in denen auch soziale Auseinandersetzungen in einem wesentlich fortgeschritteneren Stadium als hierzulande befinden auseinander. Besondere Arbeitsschwerpunkte stellen dabei soziale Kämpfe gegen die Sparmaßnahmen in Frankreich und Italien, der Komplex des Thatcherismus in Großbritannien, die Auseiandersetzung mit marxistischen Faschismustheorien, die antifaschistische Einheitsfronttaktik der KPD in der Weimarer Republik, die weltweite Umstellung der verarbeitenden Industrie auf lean.production, die Entwicklung der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion und natürlich die ständige Auseinandersetzung mit ökonomischen und sozialen Entwicklungen in der BRD dar -- wie beispielsweise der Politik der so genannten Neuen Mitte und einer Einschätzung des Aufstandes der Anständigen .


Ergebnisse dieser inhaltlichen Arbeit veröffentlichen wir als Broschüren, aber auch in verschiedenen linken Zeitschriften, wie der Berliner Arranca, in der beispielsweise ein 15 seitiger Artikel über Fakten und Einschätzungen zur europäischen Wirtschafts- und Währungsunion von uns erschienen ist. Zur Perspektiv-Diskussion der AntiFa-Bewegung im April 2001 haben wir ein Thesenpapier in die

Diskussion eingebracht.


Die Antifa AG der Uni Hannover freut sich an jedem Mittwoch um 20.00 Uhr im Sitzungssaal des ASTA über den Besuch interessierten Leute.