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Antifa-AG der Uni Hannover & Gewerkschaftsforum Hannover:

 

Anläßlich der soeben abgeschlossenen Aktionstage zum 1.Jahrestag der Anti-G8-Proteste von Genua und der Ermordung von Carlo Giuliani durch einen Carabiniere führte die Tageszeitung von Rifondazione Comunista, “Liberazione”, ein Interview mit Luca Casarini, in dem der ehemalige prominenteste Sprecher der Tute Bianche und nun der sog. Disobbedienti (Ungehorsamen) versuchte seinen neuesten Strategievorschlag – die Organisierung “sozialer Subversion” – zu erläutern. Inwiefern ihm dies gelungen und das propagierte Konzept plausibel ist, möge der Leser selbst entscheiden. Das Interview erschien am 23.7.2002.

 

Der Ungehorsame Nordostitaliens: Luca Casarini

 

“Das ist der Inhalt der sozialen Subversion: ...”

 

Netzwerke “sozialer Subversion” organisieren: Der Auftritt von Luca Casarini in Genua in einem sogar in der Vorhalle gerammelt vollen Teatro della Corte ist auch dieses Mal dazu bestimmt dafür zu sorgen, daß man von sich spricht. “Ich weiß nicht, ob dies (die soziale Subversion) der passende Begriff ist, aber ich will sagen, daß – wenn unsere Revolution die ist, ‚Gesellschaft in einer anderen, im Aufbau befindlichen Welt zu machen‘, dann muß das in klarem Gegensatz zu der vom Wirtschaftsliberalismus / Freihandel produzierten Gesellschaft geschehen. Und daher wird die moltitudine <Vielzahl / Menge / Masse; von Negri & Hardt übernommener Begriff anstelle von “Proletariat”> wie in einem Exodus agieren müssen”, erklärt der Disobbediente (Ungehorsame) aus Marghera und kommentiert die <zuende gehenden> Aktionstage von Genau <mit den Worten>: “Die Emotionen beziehen mehr mit ein als die Motionen (Anträge).”

 

Ja, aber das Problem, das innerhalb und außerhalb der Bewegung Besorgnis sät, ist das vom Ungehorsam proklamierte Problem der Illegalitäten.

 

“Gut, was bedeutet es, dem <neuen> Bossi-Fini-<Einwanderungs->Gesetz gegenüber ungehorsam zu sein ?  Es bedeutet, für den Staat illegale, Aufnahmezentren zu schaffen. Aber über die macht sich auch ein Teil der Kirche derzeit Gedanken. Es bedeutet, die Lager-Zentren in Bologna wie in Australien zu belagern und man wird die Intelligenz haben müssen, um das zu tun. Ebenso wie illegale, aber legitime Formen von Hilfe an den Grenzen in Gang zu bringen. Darüber diskutiert in diesen Tagen das in Straßburg stattfindende ‚No Border Camp‘. Das brauchen wir über die Anklage hinaus und auch in bezug auf den <Kündigungsschutz-> Artikel 18 brauchen wir entfaltete Konfliktformen, um die Regierung von ihren Entscheidungen zurücktreten zu lassen.”

 

Ich glaube, daß der Bezug auf die “Auseinandersetzung” präzisiert werden muß.

 

“Die Auseinandersetzung mit der Macht ist unausweichlich, aber wir denken <dabei> an positive Konfliktformen, die die Situation umkehren können. Man muß die Widerstandsformen in Laboratorien verändern, damit die Auseinandersetzung nicht vom Imperium wieder absorbiert und in Krieg verwandelt wird. Es ist die Macht, die Illegalität produziert (den Krieg ebenso wie die Permanenten Aufenthaltslager für Flüchtlinge – CPT – und die Privatisierungen). Wir müssen die Legalität von unten wiederherstellen.”

 

Der Generalstreik ist eine Widerstandsform. Wie generalisiert man die ?

 

“Die konkretesten Beispiele <dafür> kommen aus Spanien und aus Argentinien. In Spanien konnte man <beim Generalstreik gegen den Angriff der Regierung Aznar auf die Arbeitslosenhilfe etc.> am 20. Juni ein nützliches Charakteristikum beobachten: die Tatsache, daß dort ein 24stündiger anstatt eines 8stündigen Generalstreikes ausgerufen wurde. Und das hat alle Formen der gesellschaftlichen Produktion erfaßt. In Argentinien ist die Stadt dank des ‚piquete global‘ (globale Streikpostenkette) und der Barrio- <Stadtteil->Versammlungen blockiert worden, wird zur gesellschaftlichen Fabrik und dort unten hat das Zusammentreffen von cacerolazos (an den Volksküchen Beteiligten) und den piqueteros (Streikposten) Versammlungen an den Straßenkreuzungen und einen weit verbreiteten Protagonismus produziert, der über die einfache Beteiligung hinausgeht. Auch bei uns kann die CGIL allein nicht gewinnen.”

 

Was sind die neuen Lektionen aus Genua über die organisatorischen Notwendigkeiten der Bewegung der Bewegungen ?

 

“Die Krise des Sozialforums bedeutet nicht, die Suche nach einem gemeinsamen Raum aufzugeben. Der Hinweis geht in Richtung leichterer Strukturen, die keine politische ‚Synthese‘ sind. Dienlich sind Räume, keine Vertretungen. Die Gefahren der Selbstbezogenheit vermeidet man, indem man diese Logik verinnerlicht, weil wir – auch innerhalb der Bewegungen – verschieden sind.”

 

Vorbemerkung, Übersetzung und Einfügungen in eckigen Klammern:

Antifa-AG der Uni Hannover und Gewerkschaftsforum Hannover