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Antifa-AG der Uni Hannover:

Die folgende Stellungnahme zum und Positionierung im gegenwärtigen Palästina-Konflikt und der mit so großer Begeisterung geschwungenen Antisemitismus-Vorwurfs-Keule stammt vom Centro Polare Autogestito (CPA) Firenze - Sud  (Selbstverwaltetes Volkszentrum Florenz-Süd). Das CPA gehört innerhalb der von linken und linksradikalen Jugendlichen, Arbeitern, Arbeitslosen, Immigranten etc. frequentierten und getragenen centri sociali (Sozialen Zentren), die in besetzten ehemaligen Fabriken, Häusern, Schulgebäuden etc. betrieben werden (ca. 100 in ganz Italien), zur kommunistischen Strömung und hat sich auch in der Vergangenheit bereits intensiv mit internationalen Fragen und internationalistischer Solidaritätsarbeit beschäftigt. Das Papier entstand Anfang Mai 2002 und wurde u.a. auf der Internetseite des CPA veröffentlicht (www.ecn.org/cpa). Wir dokumentieren es hier im Rahmen einer kleinen Reihe von Diskussionsbeiträgen aus der italienischen Linken zu diesem Thema.


Intifada

Die Liste der am Palästinensischen Volk verübten Massaker verlängert sich weiter.

Was in diesen Tagen mit US-Unterstützung und europäischer Komplizenschaft durch die israelische Armee geschieht, will der Intifada des Palästinensischen Volkes gegen die israelische Besatzung, für den Abriß der Siedlungen, die Rückkehr der Flüchtlinge, die Schaffung eines Palästinensischen Staates mit Jerusalem als Hauptstadt und für die Entsendung internationaler Beobachter (wie vom Vereinigten Kommando der Intifada erklärt) ein Ende setzen.

Die Wiederbesetzung der Städte, die unter Verwaltung der Autonomiebehörde (ANP) stehen, will die israelische Herrschaft neu durchsetzen, verstärkt aber gleichzeitig die Gründe des von den Palästinensern geführten Widerstandes, des Befreiungskampfes.

Zwischen diesen beiden Elementen kann es keine Äquidistanz <keinen gleichen Abstand> geben.

Derjenige, der - wie z.B. die Linksdemokraten (DS) weiterhin “... die ganze Solidarität mit dem vom Terrorismus so hart getroffenen israelischen Volk” bekräftigt, ist heuchlerisch.

Sicher, die Position der Linksdemokraten darf angesichts der Gleichsetzung von Partisanen und Leuten <der Republik> von Salò1 nicht verwundern.

In Palästina haben sich alle Widerstandsebenen entwickelt: von den diplomatischen Initiativen bis zum bewaffneten Kampf, an dem alle teilgenommen haben, da es ein auf dem Kampf des Volkes basierender Widerstand ist.

Die Besatzung läßt keine andere Alternative als den Widerstand... die Intifada !

Von unserer Seite gibt es keine Zweifel daran Partei für die Unterstützung des Palästinensischen Volkes zu ergreifen. Wir klagen die Komplizenschaft der Arabischen Regierungen an, die seit jeher die Palästinensische Sache instrumentalisiert haben, ohne - zumindest bis heute - positive Initiativen von Bedeutung zu starten. Ganz anderes bekunden die Arabischen Völker (und nicht nur die), die die Vorbehalte und die Repression herausfordern und jeden Tag für die Freiheit des Palästinensischen Volkes demonstrieren wobei sie sich hart mit der Polizei auseinandersetzen.

Vom Jemen bis nach Jordanien, vom Libanon bis nach Ägypten und darüberhinaus sorgen sich die Arabischen Regierungen mehr darum die US-Politik, deren Sklaven sie sind, nicht zu irritieren als um das Schicksal des Palästinensischen Volkes.

Die Solidarität mit dem Palästinensischen Volk wird zu Recht als Element der Einheit des Arabischen Volkes erlebt.

Dasselbe Empfinden haben die Immigranten in Italien, die trotz der von den gegenwärtigen Normen und repressiven Aktionen aufgezwungenen Schwierigkeiten versuchen, sich in den Protesten zu vereinen, die sich derzeit in den italienischen Städten entwickeln.

Religiöse und weltliche Realitäten der arabischen und palästinensischen Linken haben die Differenzen beiseite geschoben, die sie trennen, um den Protest gegen den Hauptfeind zu richten: Israel.

Dies ist die Absicht des Vereinigten Kommandos der Intifada, dessen Forderungen wir unterstützen.

Dies ist der Rahmen, in den sich auch die Entscheidung der Hamas einfügt Partei für die Verteidigung Arafats zu ergreifen.

Auch deshalb ist (für die US- und EU-Interessen zuallererst) die Beseitigung des Palästinensischen Widerstandes als Gerinnungselement des Drängens des Arabischen Volkes nach Befreiung notwendig. Der Palästinensische Widerstand bildet de facto das seit Jahrzehnten bedeutendste revolutionäre politische Ereignis im gesamten Gebiet des Mittleren Ostens. Wir ergreifen offen Partei für die Unterstützung des Palästinensischen Widerstandes und seiner Intifada (so wie bereits am 9.März 2002 in Rom) und wollen der Solidarität über die Finanzierung von Projekten und durch das Starten von Boykottinitiativen in bezug auf die wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen auch materiell Kontinuität verleihen, da wir sowohl die italienische Regierung als auch ihre Interessen für den wichtigsten Verbündeten Sharons halten.

Um zum Schluß zu kommen, können wir eine Frage nicht übergehen, die in instrumenteller Weise benutzt wird, weil sie auf das Mitleidsgefühl und auf die reale Verantwortung des Westens für die von den Juden in der Vergangenheit erlittenen Qualen anspielt. Die an den Juden begangenen Verbrechen dürfen nicht verdrängt werden, aber sie rechtfertigen nicht und schmälern nicht die von der israelischen Armee am Palästinensischen Volk begangene Deportation und Vernichtung.

Razzien <auf der Suche> nach den Männern zwischen 15 und 45 Jahren, die die Pflicht haben, sich zu stellen, summarische Exekutionen, auf die Arme der Palästinensischen Gefangenen geprägte Nummern etc.

Erinnert die von den westlichen Regierungen so vielgerühmte israelische Demokratie der Regierungen Sharon - Peres nicht etwas an denjenigen, der sich den Mund mit “Kampf dem Terrorismus”, “humanitärer Krieg” und “dauerhafte Freiheit” ausspült ?

Niemand kann einem Volk das Recht auf Widerstand bestreiten, darauf die eigene Geschichte und Kultur, seine Wohnungen und das Recht auf seinen Boden zu verteidigen.

Der Widerstand der Palästinenser mit seinen Aktionen unterscheidet sich nicht von dem der Partisanen in Italien (und nicht nur da). Sie kämpften gegen die Nazi-Besatzung und ihren treuen faschistischen Kollaborateur. Er unterscheidet sich nicht von all denjenigen, die sich verteidigen und für ihre Befreiung kämpfen.

Mit den Palästinensischen Partisanen und der Intifada !

Für eine klare Solidarität und ohne Kompromisse !

Für die Befreiung aller Gefangenen !


Centro Popolare Autogestito (CPA) Firenze - Sud

(Selbstverwaltetes Volkszentrum Florenz - Süd)

<Groß- und Kleinschreibung wie im Original !>

Vorbemerkung, Übersetzung, Fußnote und Anmerkungen in eckigen Klammern:
Antifa-AG der Uni Hannover