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Antifa-AG der Uni Hannover & Gewerkschaftsforum Hannover:


Der Kampf gegen die Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse ist länderübergreifend zu einem zentralen Punkt ernsthafter Gewerkschaftsarbeit geworden. Positive Erfahrungen in diesem Kampf sind daher unseres Erachtens von allgemeinem Interesse. Von den privatisierten Flughäfen in Rom gibt es eine solche Erfahrung zu berichten, wie wir der unabhängigen linken Tageszeitung „il manifesto“ vom 18.5.2004 entnahmen:


Zuviele prekär Beschäftigte

4stündiger Streik bei AdR


Seit 7 Jahren prekär Beschäftigte, die manchmal als Teilzeitkräfte mit wenigen Hundert Euro in der Lohntüte eingestellt wurden. Das ist es, was mit den 180 Beschäftigten der Aeroporti di Roma (Flughäfen von Rom – AdR) geschieht, die gestern – zusammen mit weiteren Kollegen (auch unbefristet beschäftigten) – 4 Stunden lang gestreikt haben. Die Mobilisierung wurde von <den Branchengewerkschaften> FILT-CGIL, FIT-CISL und UIL trasporti sowie der <Alleanza Nazionale nahe stehenden> UGL beschlossen. Die hohe Beteiligung (90% laut den Gewerkschaften) führte zur Streichung von 21 Flügen sowie zur Verspätung weiterer. Aber nicht nur das: Viele Duty-Free-Shops blieben geschlossen, es gab Probleme bei der Aushändigung des Gepäcks und andere Unannehmlichkeiten, für die sich die AdR in einer betrübten Mitteilung bei den Passagieren entschuldigt. Diese Arbeitsniederlegung hatte jedoch keine Auswirkungen auf die Krise von Alitalia, seit die Fluggesellschaft eine eigene Flughafenbetreiber-Gesellschaft besitzt (Alitalia Airport). Der Streik wurde von verschiedenen Aktionen begleitet, darunter einem Sit-in von mehr als 200 Beschäftigten auf der Straße, die vor den AdR-Büros vorbeiführt. Bei dieser Gelegenheit gab es auch einige wenige Augenblicke der Spannung mit einigen Autofahrern, die über die Verkehrsblockade erzürnt waren. Die Spannung legte sich jedoch – auch aufgrund der massiven Präsenz der Ordnungskräfte – sofort.


Diese Auseinandersetzung um die prekäre Beschäftigung – erklärt Aldo Farci von der FILT-CGIL – ist seit Juli 2003 anhängig, aber „bislang hat sie noch zu keinem positiven Ergebnis mit der AdR geführt“. Diese Gesellschaft hat stets massiven Gebrauch von prekärer Beschäftigung gemacht: Arbeitsverträge mit wenigen Monaten Laufzeit und Saisonverträge, die von Mal zu Mal erneuert wurden. Und das ist für den Regionalsekretär der FILT, Paolo Brinciotti, um so unakzeptabler als „AdR ein Unternehmen mit privatem Kapital ist, aber eine öffentliche Konzession besitzt (die beiden römischen Flughäfen zu betreiben; Anm.d.Redaktion) und daher mit sicheren Profiten rechnen kann“. Sicheren und recht beachtlichen: Im Jahr 2003, liest man auf der offiziellen Website, hat das Unternehmen „einen konsolidierten Umsatz von mehr als 518 Millionen Euro“ erzielt. Was aus ihr „die größte Flughafenbetreiber-Gesellschaft in Italien und die sechstgrößte in Europa“ macht. Seit dem Jahr 2000 privatisiert und seit 1997 an der Börse notiert, scheint die Gesellschaft sich also in ruhigen Gewässern zu bewegen. „Auch wenn“ – präzisiert Brinciotti – „das Unternehmen in der letzten Zeit verschiedene Argumente benutzt hat (von der Branchenkrise bis hin zu SARS). Alles um unbefristete Einstellungen zu verweigern.“

Angesichts des Erfolges des Streiks wünschen sich die Gewerkschaften den Beginn eines Gespräches mit AdR. Sollte es nicht dazu kommen, steht bereits ein 8stündiger Streik auf dem Programm.


Vorbemerkung, Übersetzung und Einfügungen in eckigen Klammern:

Antifa-AG der Uni Hannover und Gewerkschaftsforum Hannover