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Antifa-AG der Uni Hannover & Gewerkschaftsforum Hannover:

Das folgende Interview führte “Liberazione”, die Tageszeitung von Rifondazione Comunista, mit dem zum (moderatesten Teil des) linken Flügel(s) in der CGIL zählenden Kreisvorsitzenden der CGIL Brescia, Dino Greco, nach dem regionalen Flächenstreik zur Erhaltung des Kündigungsschutzartikels 18 in der Lombardei. Zu diesem Zeitpunkt verhandelten die beiden kleineren (und rechteren) italienischen Gewerkschaftsbünde CISL und UIL bereits seit zwei Wochen mit der Berlusconi-Regierung über ihr Nachgeben in dieser Frage und die fällige “Belohnung”. Anfang Juli 2002 schlossen sie dann ein entsprechendes Separatabkommen ohne die CGIL, von dem hier noch die Rede sein wird.
Das Interview erschien in “Liberazione” vom 21.6.2002.



Interview mit Dino Greco, Sekretär der Kammer der Arbeit von Brescia, wo die <Streik-> Mobilisierung sehr gut gelaufen ist.

“Und nach dem Streik ein weiterer Streik.”

Fabio Sebastiani

Brescia gehört zu den Städten, die seit Tagen Mobilisierung auf Mobilisierung gegen den Versuch auf die Beine stellen, den Artikel 18 zu annullieren. “Liberazione” hat <dazu> den Sekretär der Kammer der Arbeit <= Kreisvorsitzenden der CGIL>, Dino Greco, interviewt.

Wie ist der Streik in Brescia gelaufen ?

“Nicht nur mit einer robusten Überzeugung unter den Arbeitern, was den Übergriff anbelangt, der derzeit stattfindet, sondern auch mit einem präzisen Willen zur Antwort, in dem Bewußtsein, daß der Einsatz, der auf dem Spiel steht, sehr hoch ist. Heute haben die Beschäftigten in den Schulen, die öffentlichen Bediensteten, die Transportarbeiter, die Bankangestellten und die Bauarbeiter gestreikt. Mindestens 40 000 Leute, die zu den Anderen <die> in den letzten Tagen <gestreikt haben>, hinzugefügt werden müssen. In Brescia hat die <Metallarbeitergewerkschaft des christdemokratischen Gewerkschaftsbundes CISL> FIM <zeitgleich> zur Unterstützung der Verhandlungen gestreikt <die CISL und UIL mit Berlusconi am 5.Juni allein wieder aufgenommen hatten>. Und es hat keinerlei Konfusion gegeben, wie sie es befürchtet hatten. Jetzt stehen wir jedoch auf der Probe: Der Versuch, den Artikel 18 aufzubrechen, ist in vollem Gange und jeder wird aufgerufen sein, die eigene Glaubwürdigkeit zu demonstrieren.

Das was wir unter den Arbeitern registriert haben, ist die breite Zustimmung zur Entscheidung der CGIL, nicht an den Verhandlungen teilzunehmen. Wer darum kämpft, die Rechte auf alle auszudehnen, setzt sich nicht an einen Tisch, an dem es das erklärte Ziel ist, diese zu begrenzen. Die Richtungen sind einander entgegengesetzt. Wer in einem Damm einen Riß hervorruft, der muß wissen, daß man dadurch früher oder später einen Erdrutsch produziert. Im übrigen ist der Angriff auf die Rechte einer auf 360 Grad: <Er reicht> von den Renten über die atypisch Beschäftigten bis zum Fiskus, wo die Steuern gesenkt werden, aber <natürlich> für die Reichen !  Und es ist auch eine deutliche Kürzung der Wohlfahrt vorgesehen.”

Nach dem Generalstreik ?

“Wir stehen einer Tatsache gegenüber, die allen vor Augen ist: Es bricht ein bereits vorgefertigtes Abkommen <über uns> herein. Damit stellt sich das Problem, einem Kampf bis Ende Juli <wenn in Italien die Urlaubszeit beginnt> Kontinuität zu verleihen. Der Generalstreik muß bedeuten, das ein Streik <erst> zuende ist, wenn man den nächsten durchführt und dann noch einen. Die Mobilisierung wird bestehen bleiben. Von dem gegliederten Kampf <durch eine Stafette aufeinanderfolgender regionaler Streiks> zum Generalstreik <und dann> bis zum Beginn der Tarifauseinandersetzungen. Der Kampf um die Ausdehnung der Rechte führt über diese beiden Punkte, über Gesetzesinitiativen und das Referendum. Wenn diese Modernisierer meinen, daß sie ein so schlecht regiertes Land durch einen Frontalangriff auf die Arbeit wieder auf die Beine bringen können, dann werden sie auf ihre Kosten lernen, daß das nicht läuft.”

Ein auch von CISL und UIL geteiltes Denken ?

“Den Gewerkschaftsorganisationen, die dabei sind, sich auf diesen Angriff einzulassen, muß explizit gesagt werden, daß sie der Versuch, von der Isolierung der CGIL zu profitieren, nicht weit bringen wird. Zunächst deshalb, weil die Glocke früher oder später für alle läutet und dann, weil die Arbeiter, die nicht zum Verzicht bereit sind, die Hüter des Urteils über das bleiben, was derzeit geschieht.”

Aber sie haben die bilateralen Einrichtungen...

“Die beiden anderen Gewerkschaftsbünde scheinen durch eine Transformation der eigenständigen Rolle der Gewerkschaft verführt und überwältigt, aufgrund einer Transformation der eigenen tarifvertraglichen Funktionen in Ersatzrollen und Ersatzdienste, die mit der Staatsmaschine konkurrieren. Es ist ein Ersatz, der die Gewerkschaft ihrer charakteristischen Rolle beraubt, auch wenn ihre Räder durch reiche Entschädigung <dafür> geschmiert werden. Das ist eine Perspektive, die alles andere als fasziniert. Halten wir an unserer Auffassung fest, daß der eigenständige Standpunkt der Arbeiter unverzichtbar ist und die Legitimation der Gewerkschaft nicht von den Gegenparteien kommen kann.”

Vorbemerkung, Übersetzung und Einfügungen in eckigen Klammern:
Antifa-AG der Uni Hannover und Gewerkschaftsforum Hannover