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Antifa-AG der Uni Hannover & Gewerkschaftsforum Hannover:


Von den drei landesweiten Bündnissen der US-Friedensbewegung ist die Koalition ANSWER (Act Now to Stop War & End Racism!) deutlich die entschiedenste und konsequenteste. Im Vorfeld der von ihr für den 5.Juni 2004 in verschiedenen Großstädten der USA geplanten Demonstrationen für das sofortige Ende der Besetzung des Irak führte die unabhängige linke italienische Tageszeitung „il manifesto“ das folgende Interview mit dem ANSWER-Koordinator Forrest Schmidt. Es erschien am 14.5.2004.

(Die Internetadresse von ANSWER lautet: www.internationalanswer.org )


Interview:


Die US-amerikanischen Pazifisten: Verjagt Bush aus Rom !


Kerry ist keine wirkliche Alternative. Forrest Schmidt, Koordinator der pazifistischen Koalition ANSWER, die derzeit für den 5.Juni Anti-Kriegs-Demonstrationen in den USA organisiert: „Der demokratische Kandidat überzeugt uns nicht. Er hat in Sachen Krieg, Renten und Steuern dasselbe Programm wie der Präsident.“


Michelangelo Cocco


Wir wissen, dass ein Brief abgeschickt wurde, mit dem uns die italienischen Pazifisten nach Rom einladen, um am 4.Juni gegen Bush zu demonstrieren. Wir sind stolz darauf, auch wenn ich nicht weiß, ob wir eine Delegation entsenden können, weil wir damit beschäftigt sind die Demonstrationen zu organisieren, die am folgenden Tag in den USA stattfinden sollen.“ Forrest Schmidt, Organisator der pazifistischen Koalition ANSWER, legt großen Wert auf die Übermittlung einer ausdrücklichen Aufforderung: „Verjagt ihn ! Bush muss aus dem Irak verjagt werden, vorher aber noch aus Italien !“ Kurz nach dem 11.September 2001 gegründet, ist ANSWER (ein Akronym, das für „Act now to stop war & end racism!“ – Jetzt handeln, um den Krieg zu stoppen und den Rassismus zu beenden – steht), ein Konsortium friedensbewegter Organisationen, das Tausende von Mitgliedern vereint. Zusammen mit Schmidt haben wir versucht, die amerikanische Friedensbewegung auf den Punkt zu bringen.


Was bereitet Ihr gegenwärtig für den 5.Juni vor ?


Wir werden Großdemonstrationen in Washington, Los Angeles und San Francisco durchführen, um den Rückzug der Truppen und das Ende der Besetzung des Irak zu fordern. In diesen drei Städten wird es große Demonstrationen geben. Die wichtigste wird in Washington stattfinden, wo wir vom Weißen Haus zum Pentagon marschieren werden.“


Ihr organisiert gegenwärtig aber auch Demonstrationen zu den Wahlparteitagen (Conventions) der Demokraten und der Republikaner am 25.Juli in Boston bzw. am 29.August in New York…


Ja, ihre Conventions sind für uns Veranstaltungen, die nichts mit Demokratie zu tun haben. Beide Parteien unterstützen den Krieg. Bush bringt ihn materiell voran. Kerry verspricht weiterhin, dass er – wenn er gewählt wird – weitere Truppen entsenden wird. Wir sind daher der Meinung, dass es wichtig ist, zu diesen Conventions zu gehen, um den Rückzug aus dem Irak und den Start von Sozialprogrammen anstelle der Kriegsprogramme zu fordern.“


Kerry genügt also nicht, um Bush nach Texas zurückzuschicken ?


Wir meinen, dass Kerry keine glaubwürdige Alternative zu Bush darstellt. Bush sagt: ‚Wir werden den Krieg im Irak auf jeden Fall fortsetzen.’ Kerry antwortet: ‚Ich werde dasselbe tun,’ Bush kündigt eine weitere Reduzierung der Steuern für die Reichen an und Kerry schlägt dasselbe vor. Bush verspricht Kürzungen bei den Sozialprogrammen für Berufstätige, Kinder und Alte und Kerry bewegt sich in dieselbe Richtung. Wir brauchen ein Ende des Krieges im Irak und eine Rückholung der Truppen nach Hause. ANSWER glaubt, dass das geschehen kann, wenn die Leute in Italien, in den Vereinigten Staaten, im Irak und auf dem gesamten Planeten auf die Straße gehen.“


In Europa sieht der Großteil der Progressiven Kerry als Alternative…


Man muss diese Perspektive umkehren. Ich will sagen, seit Bush diese Kriege (zuerst gegen Afghanistan und nun gegen den Irak) begonnen hat, ist die Friedensbewegung zur Alternative gegen die Bush-Administration geworden. Das Weiße Haus wurde in seinen imperialen Plänen gerade von den Leuten eingeschränkt, die überall auf die Straße gehen. Erinnere Dich daran, dass die Administration die ganze Welt dazu aufgefordert hat, dass ‚sie die Lektion des Irak lernen muss’. Sie sagte, dass sie im Iran, in Syrien, Nordkorea und Kuba einmarschieren würde…, aber nichts von all dem ist geschehen, weil die Leute aufgewacht sind. Kerry hat in diesem Prozess keine Rolle gespielt. Er gehört <gar> nicht dazu.“


Wie muss man sich die 45% der Wähler erklären, die bereit zu sein scheinen, Bush in jedem Fall zu unterstützen ?


Die Verantwortung dafür tragen zum Großteil die Fernsehsender, deren größter Teil sich als Agent der Administration versteht und über die Kommuniques der Regierung und des Pentagon berichtet als handele es sich um göttliche Wahrheiten. Das ist der Grund dafür, dass wir unsere alternativen Medien entwickeln. Jetzt jedoch fangen die Bilder von den Folterungen an die Amerikaner aufzuwecken.“


Als erste hat CBS jene Bilder gezeigt. Dann gab es bezüglich der Fotos eine Art softe Zensur. Kannst Du uns erklären, was geschehen ist ?


Die CBS hat sich mehr als einen Monat lang selbst zensiert. Die amerikanische Regierung hat den Sender vor einem Monat aufgefordert, diese Fotographien nicht zu zeigen, weil sie Bush’s Krieg geschadet hätten und sie haben ihnen gehorcht. Einen Monat lang haben sie sie unter Verschluss gehalten. Auch das amerikanische Rote Kreuz und das Internationale Rote Kreuz haben sie einen Monat lang unter Verschluss gehalten. Sie waren gegenüber den Forderungen der Administration alle sehr verständnisvoll, aber die Wahrheit konnte nicht auf ewig verborgen gehalten werden.“


Und welche Wirkung werden die Bilder von Nick Berg<bzw. seiner Hinrichtung> auf die Amerikaner haben ?


Die Wirkung ist Verwirrung, Enttäuschung und Wut. Dennoch als Anti-Kriegs-Bewegung ist es wichtig, dass wir die Dinge klar aussprechen. Nick Berg war in den Irak gereist, um Gelegenheiten zum Geldverdienen zu suchen… Warum <musste er> diese Gelegenheiten zum Geldverdienen dort suchen ? Die Entführer hatten der amerikanischen Regierung einen Austausch mit Gefangenen aus <dem irakischen Foltergefängnis> Abu Ghraib angeboten, aber die Administration hat abgelehnt. Auch die Familie Berg hat sich darüber empört und die Regierung beschuldigt, keinen Versuch unternommen zu haben, den Gefangenen zurückzubekommen.“


Eine Botschaft für die Aktion in Rom ?


Wir sind begeistert über die Demonstration, die Ihr gegen Bush und Eure Regierung, die in den Krieg im Irak involviert ist, organisiert. Wir solidarisieren uns nicht nur mit Euch, sondern wir werden auch Inspiration aus dem ziehen, was Ihr macht.“


Vorbemerkung, Übersetzung und Einfügungen in eckigen Klammern:

Antifa-AG der Uni hannover und Gewerkschaftsforum Hannover